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Was ist Kultur?

Wie ein Fisch im Wasser

Kultur ist – nicht nur sprachlich – immer um uns herum. Theater, Literatur, Musik, aber auch Essen – diese Aspekte fallen uns häufig als erstes ein, wenn wir an den Begriff Kultur denken.
Im Zusammenhang mit interkultureller Kommunikation wollen wir Kultur aber in einem weiteren Sinne betrachten.

Überall um uns herum

Kultur umgibt uns und durchdringt all unsere Wahrnehmungen und Handlungen. Sehen Sie sich einmal um. Die Kleidung, die Sie und Ihre Mitmenschen tragen, die Sprache, die Sie sprechen und hören, der Kaffee auf dem Schreibtisch, das Handy, das auf einen Termin aufmerksam macht, der Witz Ihres Mitarbeiters, über den Sie gerade herzhaft gelacht haben, oder das Mittagessen, das in der Kantine oder im Kühlschrank auf Sie wartet – all dies sind Ausdrücke von Kultur. In der Regel machen wir uns keine großen Gedanken darüber. Die Sachen „sind halt so“, das „macht man halt so“, oder sie „wurden schon immer so gemacht“. Kommen Ihnen diese Ausdrücke bekannt vor? Das liegt daran, dass wir in unserer eigenen Kultur meist so tief verwurzelt sind, dass wir sie gar nicht bewusst wahrnehmen. Unsere Kultur definiert unsere Vorstellung davon, was normal ist.

Wie Wasser für einen Fisch

Ein Beispiel, um das Ganze zu veranschaulichen: Ein Fisch lebt in einem großen Süßwasseraquarium. Er schwimmt fröhlich durch das Becken, knabbert an den Wasserpflanzen und genießt die richtige Wassertemperatur. Genau so muss es sein. Er nimmt das alles gar nicht weiter wahr, denn das ist seine Normalität, und in ihr lebt er sein friedliches Fisch-Leben.
Doch nun passiert etwas: Er wird in ein anderes Becken umgesetzt. Dort wachsen andere Pflanzen, und das Wasser ist kälter. Auf einmal wird ihm bewusst, dass seine Normalität wohl nicht überall existiert. Die veränderte Wassertemperatur lässt ihn das Wasser zum ersten Mal bewusst wahrnehmen.

Und wir?

Wir Menschen leben in unserer eigenen Kultur – ein wenig wie der Fisch in seinem Aquarium. Wir nehmen unsere Kultur nicht wahr und haben uns in unserer Normalität gut eingerichtet. Wir werden uns unserer Kultur erst bewusst, wenn etwas passiert, das uns mit einer anderen Realität konfrontiert. Dies kann auf einer Reise geschehen, oder auch bei der Begegnung mit Angehörigen anderer Kulturen. Oft lösen diese Abweichungen von unserer Normalität eine Irritation aus, hin und wieder auch Neugierde, Faszination, aber auch Ablehnung und Angst. Da manche Sachen nicht unserer Gewohnheit entsprechen, nehmen wir diese oft als negativ wahr. Dabei bedeutet „anders“ nicht automatisch besser oder schlechter – sondern eben einfach anders!

Anders ist oft anstrengend

Interkulturelle Begegnungen sind oft nicht frei von Konflikten. Wir müssen aus unseren Gewohnheiten aussteigen und uns auf andere Sichtweisen einlassen.
Der erste Schritt bei der Begegnung mit Menschen aus anderen Kulturen ist deshalb: Sich seiner eigenen Kultur und kulturellen Prägungen bewusst zu werden. Bringt man dazu noch Offenheit gegenüber anderen Herangehensweisen mit, sowie den Willen, seinen eigenen Begriff von Normalität zu hinterfragen und sich an unterschiedliche Gegenheiten anzupassen, kann eine interkulturelle Begegnung gelingen.
Um diese Prozesse zu verbessern und zu begleiten, gibt es interkulturelles Training. Hier erfährt man nicht nur Wissenswertes über andere Kulturen, sondern lernt auch Strategien, die sich in der Begegnung anwenden lassen, und das Zusammenleben verbessern können.

 

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