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Corona-Pandemie: Wie halte ich die Beziehung zu meinen französischen Geschäftspartnern aufrecht?

Nach über zwei Jahren Corona-Pandemie ist es Zeit für einen Zwischenstand. Wie wirken sich die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie auf die deutsch-französische Zusammenarbeit aus? Unsere Frankreich-Expertin Waltraud Schleser berichtet, worauf es bei einer guten Zusammenarbeit mit dem Nachbarn ankommt.

Die Corona-Pandemie hinterlässt Spuren in der internationalen Zusammenarbeit. Vieles hat sich geändert, vieles ist aber auch erstaunlich gleichgeblieben.

Frankreich und Deutschland, zwei Nachbarländer, die sich auf den ersten Blick stark ähneln, weisen auf den zweiten Blick viele Unterschiede auf.

Beziehungspflege ist das A und O

In Frankreich ist eine persönliche Beziehung zu Kolleg*innen oder Geschäftspartner*innen deutlich wichtiger als in Deutschland. Gespräche in der Kaffeeküche, auf dem Gang oder beim Schwatz zwischendurch – eine persönliche Beziehung legt das Fundament für eine gute Zusammenarbeit. Dies gilt auch für Deutsche, die mit Französ*innen zusammenarbeiten. Besondere Bedeutung hat in Frankreich der „Apéro“, kurz für Apéritif. Im Gegensatz zu Deutschland handelt es sich hier nicht nur um ein appetitanregendes Getränk, sondern um eine Art formlosen Stehempfang, zu dem es meist sowohl alkoholische als auch nicht-alkoholische Getränke und auch ein paar Kleinigkeiten zum Essen gibt. Sie finden sowohl privat als auch im Arbeitskontext statt, etwa als Ein- oder Ausstand, oder auch als Networking-Event.

Als die Corona-Pandemie viele Menschen dazu zwang, im Home Office – auf Französisch „le télétravail“ zu arbeiten, und die privaten Kontakte auf das nötigste zu beschränken, hat sich in vielen französischen Freundeskreisen, aber auch in Unternehmen der „Apéritif Virtuel“ etabliert: über Videokonferenzplattformen verabredeten sich die Menschen zu einem zwanglosen Miteinander. Auch wenn dies nur ein schwacher Ersatz für ein persönliches Treffen ist, so ermöglichte es doch einen regelmäßigen zwanglosen Austausch.

Persönliche Treffen sind Pflicht

Immer noch muss auf zahlreiche Dienstreisen verzichtet werden. Trotzdem sollten Sie – besonders zu Anfang einer Geschäftsbeziehung – möglichst ein oder mehrere persönliche Treffen anberaumen. Planen Sie hier genügend freie Zeit ein, für gemeinsame Essen, und für Möglichkeiten zum informellen Austausch.

Kennen Sie Ihre französischen Ansprechpartner*innen bereits, so greifen Sie hin und wieder zum Telefon und melden Sie sich bei ihnen. Generell wird das Telefon häufig einer E-Mail vorgezogen. Nehmen Sie sich die Zeit, über persönliche Dinge zu sprechen, denn für die Beziehung ist es wichtig, den Menschen hinter der geschäftlichen Funktion kennen zu lernen. Gute Anlässe sind z.B. die Schulferien, da diese noch viel stärker als hierzulande das Jahr strukturieren. Hier bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen: Reisepläne und -berichte, Pläne für das neue (Schul-)Jahr – Gesprächsanlässe finden sich viele. Auch wenn diese Themen hierzulande oft als Small Talk ein wenig verpönt sind, sind sie so viel mehr als das. Sie bieten die Möglichkeit, die Menschen näher kennen zu lernen.

Virtuelle Meetings gut strukturieren

Die zunehmende Verlagerung von zahlreichen Aktivitäten ins Virtuelle hat auch die Meetingkultur in Frankreich beeinflusst. Wer schon einmal an einem französischen Meeting teilgenommen hat, kennt es: Es existiert oft keine feste Tagesordnung, sondern das Meeting dient primär dem Brainstorming. Sprechpausen werden wenig respektiert, vielmehr ist es ein Zeichen von Interesse und Engagement, dem Sprecher ins Wort zu fallen.

Für Videokonferenzen hat sich jedoch gezeigt, dass diese Art der Kommunikation nicht gut funktioniert. Hier hat sich aber die Meetingkultur den technischen Erfordernissen angepasst: Oft sind Meetings nun strukturierter. Auch Sprecherwechsel passieren „disziplinierter“ – so dass Meetings in deutschen Augen viel ihres Chaos eingebüßt haben.

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