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Andere Länder, andere Sitten? - 7 Tipps für die erfolgreiche interkulturelle Zusammenarbeit

Am 18. Mai 2021 findet der 9. Deutsche Diversity-Tag statt. Als Unterzeichner der „Charta der Vielfalt“ feiern die Carl Duisberg Centren diesen Tag natürlich auch in diesem Jahr.

Unsere Gesellschaft ist bunt und vielfältig - genau wie unsere Arbeitswelt. Ob im eigenen Team, in der Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern oder bei der Integration von Zuwanderern – kulturelle Vielfalt ist eine Bereicherung für das persönliche Miteinander und kann der Turbo für den wirtschaftlichen Erfolg sein. Doch arbeiten unterschiedliche Kulturen zusammen, kommt es häufig zu Missverständnissen. Wir geben Ihnen Tipps für mehr gegenseitiges Verständnis.

1. Time is Money – in Deutschland

2. Small Talk is Big Talk

3. Ohne Worte viel gesagt

4. Chef ist nicht gleich Chef

5. Unterschiede in Führung und Zusammenarbeit

6. Feedback durch die Blume

7. Vielfalt verbindet

1. Time is Money – in Deutschland

Wie heißt es so schön: Pünktlichkeit ist eine Tugend. Aber das gilt nicht überall! Während die Deutschen weltweit für ihre Pünktlichkeit und effektive Zeitplanung bekannt sind, haben zum Beispiel im arabischen und afrikanischen Kulturkreis andere Werte einen höheren Stellenwert. Flexibilität, Spontaneität und eine sehr ausgeprägte Beziehungsorientierung stehen dort hoch im Kurs. Trifft man Bekannte, ist immer Zeit für eine angemessene Begrüßung und Beziehungspflege, auch wenn man deshalb später zu einem Termin kommt. Diese Kulturen sind flexibel und bei Planungen gut im Improvisieren.

Tipp: Richten Sie Ihren Blick auf das Positive: Die Flexibilität dieser Menschen kann eine wertvolle Ergänzung zu deutscher Zeitplanung sein. Erklären Sie, warum Pünktlichkeit für Deutsche wichtig ist und drücken Sie auch mal ein Auge zu!

2. Small Talk is Big Talk

Für die einen ist er nervig, für die anderen das Vorspiel für intensivere Gespräche: Der Small Talk. Für viele Deutsche soll Kommunikation im Arbeitsalltag „kurz und knackig“ sein. Ausgiebiges Lob, Komplimente oder Höflichkeitsformen sind überflüssig. Im internationalen Vergleich gelten Deutsche als sehr sachlich und nüchtern. „Süßholzraspeln“ erfüllt jedoch in vielen Kulturen, wie etwa denen des Orients, die Funktion der Beziehungspflege, in die auch Geschäftspartner*innen viel Zeit und Energie investieren. Berufliche und private Themen sind nicht so strikt getrennt wie in Deutschland. In einem solchen Umfeld wirkt die sachliche deutsche Art schnell ablehnend.

Tipp: Nehmen Sie sich Zeit für Small Talk und den ernstgemeinten Aufbau persönlicher Beziehungen. Erklären Sie bei Bedarf, dass unsere nüchterne Art nicht ablehnend gemeint ist und man hier im Berufsleben mit weniger Süßholz besser fährt.

3. Ohne Worte viel gesagt

Wir können nicht nicht kommunizieren: der non-verbale Teil der zwischenmenschlichen Kommunikation  besteht aus mehr als neunzig Prozent. Gestik, Mimik oder etwa Distanzzonen unterscheiden sich je nach Kultur. Fehlender Blickkontakt in der Kommunikation mit etwa Menschen aus arabischen Ländern bedeutet weder Desinteresse noch Verlegenheit – ein gesenkter Blick ist dort Ausdruck von Respekt. Und ein schwacher Händedruck in China zeugt nicht von der Unsicherheit des Gegenübers, sondern von gutem Benehmen.

Tipp: Gehen Sie offen in die Kommunikation mit Menschen aus anderen Kulturkreisen. Informieren Sie sich im Idealfall vor dem ersten Treffen über die Gepflogenheiten in der Kultur Ihrer Gesprächspartner. So bleiben Ihnen, wenn auch unbewusste, Fehlinterpretationen erspart.

4. Chef ist nicht gleich Chef

Während in Dänemark oder den Niederlanden der Chef mehr die Rolle des Coachs einnimmt, sind Führungskräfte in Asien, Afrika oder im arabischen Raum akzeptierte und respektierte Autoritäten mit besonderen Privilegien. Statussymbole sind nicht verpönt. Als Vorgesetzte entscheiden sie in vielen Kulturen allein und tragen die Verantwortung. Geht ein Kollege aus einer hierarchischeren Kultur bei Entscheidungen oder in der Kommunikation nicht über Sie, sondern direkt über Ihren Chef, muss dies daher nicht zwangsläufig ein Zeichen von Misstrauen sein.

Tipp: Bleiben Sie entspannt und nehmen Sie’s nicht persönlich. Der Kollege hält wahrscheinlich nur den für ihn üblichen Dienstweg ein. Ein Interkulturelles Training  macht Sie fit für die interkulturelle Zusammenarbeit – damit Missverständnisse gar nicht erst aufkommen.

5. Unterschiede in Führung und Zusammenarbeit

Heutzutage wird in Deutschland nicht mehr so hierarchisch geführt, wie früher. Autoritäten werden hier durchaus hinterfragt und ein Team erwartet meist, in Entscheidungsprozesse mit einbezogen zu werden. Selbstständiges Arbeiten ist normal und Eigeninitiative sehr erwünscht.
Das kann für Kollegen aus asiatischen, arabischen oder afrikanischen Kulturkreisen ungewohnt sein. Dort sind eher kleinschrittige Anleitung und regelmäßige Kontrolle durch die Vorgesetzten üblich. Klare Anweisungen und häufiges Nachfragen wird als ein Zeichen des Interesses und der Wertschätzung durch den Chef gesehen.

Tipp: Sprechen Sie mit Ihren internationalen Kollegen über Ihre Erwartungen, Ihre Arbeitsweise oder ermuntern Sie sie zu mehr Eigeninitiative. Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg.

6. Feedback durch die Blume 

Die deutsche Direktheit ist weltbekannt. Offen auf Fehler hinweisen oder konkret sagen, wo der Schuh drückt, ist in der deutschen Arbeitskultur gang und gäbe und ein Zeichen für Effizienz. Ist Kritik konstruktiv verpackt, darf ruhig auch mal „Tacheles geredet“ werden. In multikulturellen Teams führt das oft zu Missverständnissen oder Konflikten. Direkte Kritik gilt in vielen Kulturen als respektlos und führt unweigerlich zu einem Gesichtsverlust, der nachhaltig die Zusammenarbeit stören kann.

Tipp: Einigen Sie sich auf Feedbackregeln, mit denen alle im Team einverstanden sind. Vermeiden Sie Sätze wie „Das ist schlecht oder falsch“. Auch bei sachlich vorgetragener Kritik ist im Umgang mit den meisten anderen Kulturen viel Fingerspitzengefühl gefragt.

7. Vielfalt verbindet

Grundlage für ein gelungenes Miteinander im internationalen Kontakt ist Toleranz. Nicht die größtmögliche Anpassung jeder Seite, sondern vielmehr das Wissen um die eigenen und anderen Werte und deren Hintergründe helfen, andere Kulturen zu verstehen. Eine offene und abwartende Haltung, das alte Hausmittel „fragen“ sowie der berühmte Blick über den eigenen Tellerrand sind eine gute Basis für interkulturelle Kompetenz, die Türen für viele Kulturen öffnet.

Tipp: Befassen Sie sich auch mit Ihrer eigenen kulturellen Prägung und seien Sie offen für Herangehensweisen, die Ihnen im ersten Moment vielleicht nicht sinnvoll erscheinen. Wer weiß, es könnten sich auch für Sie neue Wege auftun!


„Charta der Vielfalt“

Wir sind davon überzeugt, dass Vielfalt in allen Aspekten des Zusammenlebens Menschen miteinander verbindet - so auch in der Arbeitswelt.

Die „Charta der Vielfalt" ist eines der größten unternehmerischen Netzwerke Deutschlands Es hat sich zur Aufgabe gemacht, Vielfalt zum festen Bestandteil der Firmenkultur zu machen. Ziel der Grundsätze der Charta ist es, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Alle Mitarbeitenden sollen Wertschätzung erfahren – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität.

Dr. Kai Schnieders, Geschäftsführer der gemeinnützigen Carl Duisberg Centren betont: „Die Grundsätze der Charta der Vielfalt entsprechen unseren Grundwerten. Mit der Unterzeichnung möchten wir das Klima der Akzeptanz und des gegenseitigen Vertrauens im Unternehmen weiter stärken."

Die Charta der Vielfalt steht unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und zählt neben ihren 19 Mitgliedern über 3.800 Unterzeichner.

Weitere Informationen unter: www.charta-der-vielfalt.de

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