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Ja, nein, vielleicht – was meinen sie denn?

Lernen Sie, indirekte Kommunikation zu erkennen und zu übersetzen!

Teil 1: Nein erkennen

Ja und nein sind doch universell verständlich – oder etwa nicht? So einfach ist das leider nicht. Je nachdem, mit wem Sie sprechen, kann die Bedeutung variieren.

Deutsche kommunizieren in der Regel sehr direkt. Wir sagen, was wir denken, und reden nicht um den heißen Brei herum. Auch mit Kritik sind wir nicht zurückhaltend – in der Regel können wir gut trennen zwischen der Kritik an uns als Personen oder an unserer Arbeit. Wir erwarten auch von unseren Gesprächspartnern, dass sie uns beim Wort – und damit ernst – nehmen.

Doch ist das nicht auf der ganzen Welt so. Im Gegenteil: In vielen Ländern funktioniert Kommunikation anders. Besonders deutlich wird dies, wenn wir uns ansehen, wie ein „Nein“ ausgedrückt wird. Zum einen kann ein Nein auch körpersprachlich anders ausgedrückt werden: wir schütteln den Kopf, in Griechenland und einigen arabischen Ländern wird ein Nein ausgedrückt, indem der Kopf zurück geworfen wird, und in Indien bedeutet das Kopfwackeln nicht „nein“ sondern „ich höre dir zu“.

Auch wenn wir die Wörter für Nein kennen, bedeutet das nicht, dass wir ein ausgesprochenes Nein erkennen. Denn oftmals wird das Wort Nein vermieden, und man muss es aus der Antwort dechiffrieren.

In vielen Kulturen wird nämlich ein direktes Nein als unhöflich empfunden, so dass  die Menschen versuchen, es zu verklausulieren. „Ich denke darüber nach“, „Da muss ich noch einmal mit meinem Team Rücksprache halten“, „Vielleicht“ – für viele Inder, Chinesen, aber auch z.B. Lateinamerikaner sind diese Antworten eindeutig als Nein zu lesen.

Wie erkenne ich denn ein Nein, das nicht offen ausgesprochen wird?

  • Die Antwort fällt unverbindlich aus. „Das müssen wir unbedingt noch einmal machen. Ich rufe dich an.“ – in den USA ist eine solche Antwort keine Verabredung, sondern eine Floskel oder bestenfalls eine lockere Interessensbekundung.
  • „Da muss ich noch einmal Rücksprache halten“ – Evtl. ist der Gesprächspartner nicht der richtige Ansprechpartner für diese konkrete Anfrage. Wahrscheinlicher sucht er aber nach einer höflichen Möglichkeit, schon einmal zu verstehen zu geben, dass aus dieser Anfrage nichts werden wird.
  • Das Thema wird gewechselt – dies ist wahrscheinlich ein Hinweis darauf, dass dieses Anliegen nicht weiter verfolgt werden sollte, da sonst ein direktes Nein unvermeidlich wäre – der Gesprächspartner möchte nicht unhöflich sein, und dem Gegenüber das direkte Nein ersparen.
  • Es wird ausweichend geantwortet, der Blick schweift ab, die Körperhaltung wird gewechselt – auch dies können Zeichen dafür sein, dass das Thema etwas unangenehm ist, und nicht weiter verfolgt werden sollte.
  • Es werden Probleme oder offene Fragen, die noch gelöst werden müssen, angesprochen. Wenn dies mehrfach passiert, und die vorgeschobenen Gründe nicht wirklich plausibel sind, handelt es sich höchstwahrscheinlich ebenfalls um ein Nein.

Wie geht man denn nun am besten mit so einem versteckten Nein um, und wie erhält man Klarheit darüber, ob man nun von einem Ja oder vielleicht oder doch von einem Nein ausgehen muss?

Sarah Kuhnert, interkulturelle Trainerin bei den Carl Duisberg Centren, empfiehlt: „Fragen Sie lieber noch einmal nach. Zum einen bietet es sich an, den Inhalt noch einmal zusammenzufassen, und sich mit einem „Did I get you right?“ bestätigen zu lassen. Außerdem können offene Fragen dabei helfen, die Situation zu klären – sie setzen den Gesprächspartner nicht so stark unter Druck. Bereiten Sie sich darauf vor, dass manches anders gemeint sein könnte, als es in Ihren Ohren klingt.“

Im zweiten Teil erklären wir, wie in verschiedenen Kulturen Ja gesagt wird – und was das bedeuten kann.

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