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Die kulturelle Brille

Wie Kultur unseren Blick auf die Welt beeinflusst

Kultur ist ein vielschichtiges Phänomen – vor allem, weil viele Aspekte nicht greifbar sind und sich dadurch nicht anschaulich beschreiben lassen. Daher nutzen wir gern Bilder, mit denen wir Kultur und ihre Wirkungen auf uns, unsere Wahrnehmung und unser Handeln beschreiben. Ein solches Bild ist die kulturelle Brille.

Die kulturelle Brille als Filter

Unsere Kultur funktioniert wie ein Filter, der in unsere Wahrnehmung eingebaut ist. Wir betrachten die Welt um uns herum, die Menschen und ihr Handeln und setzen sie unbewusst immer in Relation zu unseren Vorstellungen von „normal“. Was wir jedoch als normal empfinden, ist geprägt, durch unsere Werte, Traditionen und das Verhalten der Menschen um uns herum, mit denen wir aufgewachsen sind.

Wir schauen also durch unsere deutsche Brille. So, wie man die Dinge hier macht, so ist es für uns normal. Es fühlt sich richtig an.

Angehörige anderer Kulturen betrachten die Welt durch ihre eigene Brille. Ihre Normalität ist durch andere Erfahrungen, Erziehungsansätze und ihre eigenen Werte und Traditionen geprägt. So können Dinge, die Deutschen vollkommen normal erscheinen, für Angehörige anderer Kulturen fremd und irritierend wirken. Ihre Wahrnehmung wird durch ihre eigene kulturelle Brille gefiltert.

Beispiel 1: Pünktlichkeit in Deutschland und Mexiko

In der deutschen Kultur ist es wichtig, zu einer Verabredung pünktlich zu sein. Trifft man auf dem Weg dahin eine*n Bekannte*n, so wird dieses Treffen so kurz wie möglich gehalten, um pünktlich zur Verabredung zu kommen. Das zeugt in den Augen der Deutschen von Höflichkeit und Respekt demjenigen gegenüber, mit dem man verabredet ist.

In der mexikanischen Kultur ist es anders: Hier zieht man es vor, spontan und flexibel auf die aktuellen Gegebenheiten zu reagieren. Trifft man also dort auf dem Weg zur Verabredung eine*n Bekannte*n, so wird diesem spontanen Treffen ein größerer Stellenwert eingeräumt. Die Verabredung muss also gegebenenfalls etwas warten.

Beispiel 2: Meetings in Deutschland und Frankreich

Bei einem Meeting zwischen Deutschen und Franzosen kommt es oft zu Unstimmigkeiten. Die Franzosen fühlen sich von den Deutschen überrumpelt, da diese bereits ausgearbeitete Konzepte und Pläne in der Tasche haben. Die Deutschen fühlen sich nicht respektiert, da die Franzosen in ihren Augen nicht vorbereitet sind, die Unterlagen nicht gelesen haben und sich nicht an die Tagesordnung halten.

Die Funktion von Meetings in Deutschland und Frankreich und deren Umsetzung ist häufig unterschiedlich. Jede Gruppe blickt durch die eigene kulturelle Brille und hält die eigene Art, Meetings zu führen, für normal – und stellt erst beim Zusammentreffen mit den anderen fest, dass normal sehr relativ ist.

Tipp:

Um interkulturell kompetent zu handeln, ist es notwendig, sich über seine eigene kulturelle Brille bewusst zu sein. Unsere Wahrnehmung ist gefiltert durch unsere Erfahrungen. Daher unterscheidet sich unsere Interpretation unserer Wahrnehmung von der anderer Menschen.

Bei der Begegnung mit Menschen aus unterschiedliche Kulturen, sollte man versuchen, die Brille sogar abzunehmen. So kann ein neuer Blick auf die Welt entstehen, frei von vorgefertigten Meinungen und Stereotypen.

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